Danit Peleg ist eine Designerin, die ihre Modekollektionen in 3D von zuhause aus entwirft

Jetzt arbeitet sie an ihrer zweiten Kollektion, nachdem die erste bereits um die Welt gereist ist und sich ihr durch ihren Erfolg die Chance bot, ein Kleid für die Paralympischen Spiele in Rio 2016 zu entwerfen.

Wenn Kreativität und neue Technologien aufeinandertreffen, entsteht häufig etwas ganz Besonderes. Genau das geschah auch, als sich die Modedesignerin Danit Peleg entschied, tiefer in die Welt des 3D-Drucks einzutauchen, um Modekollektionen von zuhause aus zu entwerfen.

Es begann 2014, als sie sich darauf vorbereitete, die Kollektion für ihr Abschlussprojekt an der Modeschule Shenkar (Ramat Gan, Israel) zu entwerfen. Ein Praktikum, das sie in einem Modestudio in New York absolviert hatte, bot ihr die Gelegenheit, an dem Entwurf von zwei in 3D gedruckten Kleidern zu arbeiten, die sie faszinierten.

“Einzigartige Textilien zu entwickeln und mit neuen Materialien zu experimentieren, hat mich schon immer interessiert, insbesondere die Kombination von Mode mit neuen Technologien”, erklärt die Designerin.

Allerdings wurden diese Kleider mit Industriedruckern und mit sehr festen Materialien erstellt. Mit den Kleidern war es den Modells nicht möglich, sich zu setzen. Außerdem waren sie sehr unbequem, da sie ganz anders als gewöhnliche Stoffe beschaffen waren.

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Die Vorstellung, eine Modekollektion von Null an zu entwerfen, um diese Nachteile zu überwinden und sie selber ausdrucken zu können, faszinierte sie. Mehr noch, als sie nach Recherchen entdeckte, dass sie einen Haushalts-3D-Drucker verwenden konnte, um von zuhause aus zu arbeiten, wo ihr die besten Ideen kommen.

„Als ich schließlich den Haushalts-3D-Drucker Witbox und das stabile aber elastische Druckmaterial Filaflex kombinierte, wusste ich, dass ich eine tragbereite Kollektion entwerfen konnte,“ fügt Danit Peleg hinzu.

Sie hatte es sich zum Ziel gemacht, Kleidungsstücke zu entwerfen, die normalen Textilien ähnlicher sind, elastisch und weich, damit sie für die Modells angenehmer zu tragen wären. „Ich entschied mich daher, mich mehr in dieses Gebiet zu vertiefen und meine eigene Kollektion für mein Abschlussprojekt zu entwerfen“, erklärt die Designerin. Und so war es dann auch. Nachdem sie sich einige Zeit mit der Verwendung der Software und Hardware, die zum Drucken notwendig sind, beschäftigt hatte, war Danit Peleg in der Lage, ihre erste Kollektion zu entwerfen, die sie zu 100% in 3D von zuhause aus gedruckt hatte. Sie enthielt sogar Schuhe.

Die Freiheit des Druckens

Als erstes entwarf sie eine Jacke, die sie Liberté nannte und die aus dreieckigen Mustern bestand und sich in der Geometrie des Bildes von Eugène Delacroix Die Freiheit führt das Volk inspirierte. Für Danit Peleg ist der 3D-Drucker ein Werkzeug, das ihr „unglaubliche Dinge ermöglicht hat“, die sie nie für möglich gehalten hatte. Diese Jacke war der erste Beweis dafür.

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Nach dieser ersten Erfahrung probierte sie weitere neue Materialien wie FilaFlex aus und stützte sich auf eine Gruppe von Makern, die ihr geholfen hat, noch tiefer in den 3D-Druck einzutauchen, um ihre Entwürfe zu verbessern. Sie entdeckte auch die Entwürfe von Andreas Bastian (Mesostructured Cellular Materials) zu einem Projekt in Thingiverse, das ihr als Inspiration diente, um die zusammensetzbaren Muster zu erstellen, die ihre Kleidungsstücke bilden.

“Aus einer Kombination der wunderbaren Strukturen von Andreas Bastian mit meinen eigenen konnte ich, unter Verwendung der gleichen Herangehensweise und mit den flexiblen Filamenten, spitzenartige Textilien erstellen, mit denen ich arbeiten konnte, als ob es normale Stoffe wären”, erklärt Danit Peleg.

Dank dieser Technologie erstellte sie eine Reihe von Kleidern, Tops, Röcken und Shirts, die mit geometrischen Mustern und der Elastizität des Materials spielen. Sie besitzen einen Hauch von Leichtigkeit und Bewegung, der sich in allen ihren Arbeiten findet.

Diese erste Kollektion, die bereits um die ganze Welt gereist ist und in den wichtigen Medien hervorgehoben wurde (von Vogue bis zu New York Times) benötigte 2000 Stunden um gedruckt zu werden. Derzeit arbeitet sie an einer neuen Kollektion, für die sie den Witbox 2 verwendet, mit dem sie dreimal schneller drucken kann als zuvor. „Vielleicht brauche ich in ein paar Jahren nur noch wenige Minuten!“ fügt sie hinzu.

Ihre Erfahrungen in Rio 2016

2016 erhielt Danit Peleg erneut die Gelegenheit, ihre Kreativität auf die Probe zu stellen und ihre Arbeiten der Welt zu präsentieren. Ihr wurde das Design des Kleides für die Tänzerin und Medaillengewinnerin Amy Purdy bei der Eröffnungsfeier der Paralympischen Spiele in Rio de Janeiro übertragen. „Es war für mich eine Ehre, dass mir das Vertrauen für ein so wichtiges Projekt geschenkt wurde. Der ganze Prozess war hochinteressant, denn das Kleid sollte nicht nur große Bewegungen bei der Präsentation auf der Bühne ermöglichen, sondern musste gleichzeitig auch raffiniert und elegant sein“, führt Danit Peleg weiter aus.

Bei der Show tanzte Amy Purdy mit dem Roboter KUKA bei einer Darstellung der Beziehung zwischen Mensch und Technologie Samba. Das Kleid im Diamantmuster unterstützte die Bewegungen der Tänzerin mit großer Schönheit. „Der beste Beweis für den Erfolg des Kleides ist die Tatsache, dass viele Menschen dachten, dass es sich um normalen Stoff handeln würde und nicht um 3D-Druck. Dies zeigt, dass der Stoff sehr natürlich geworden ist“, fügt sie hinzu.

Mit Blick auf die Zukunft möchte Danit Peleg weiterhin die Möglichkeiten erforschen, die die Kombination von Mode und 3D-Druck bietet. „Ich möchte auch eine Online-Boutique für Dateien zum Ausdrucken eröffnen und habe meine letzte Kollektion fertiggestellt“, erzählt die Designerin, die eine optimistische Zukunft für diese Technologie in der Mode sieht.

Wenn die Entwicklung dieser Technologie weiter so voranschreitet, wird der 3D-Druck große Auswirkungen auf die Zukunft der Modeindustrie haben. Das bedeutet weniger Transportkosten, mehr Personalisierung und, was besonders wichtig ist, eine Demokratisierung des Designs: Jeder Einzelne wird in der Lage sein, seine eigene Kleidung zu entwerfen!”, lautet ihre Schlussfolgerung.